{"id":600,"date":"2009-06-21T23:09:28","date_gmt":"2009-06-21T17:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/reisen.mkihr.de\/index.php\/2009\/06\/21\/die-lage-im-jemen\/"},"modified":"2009-06-21T23:09:28","modified_gmt":"2009-06-21T17:09:28","slug":"die-lage-im-jemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/2009\/06\/21\/die-lage-im-jemen\/","title":{"rendered":"Die Lage im Jemen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach einigen weiteren Artikeln im &#8222;Spiegel Online&#8220; will ich einmal versuchen zu schildern, wie sich die Lage hier im Lande darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich mit einigen Leuten zu dem Thema unterhalten. Darunter sind Kollegen, Ausl\u00e4nder die schon l\u00e4nger hier leben und auch Mitarbeiter der Sicherheit der franz\u00f6sischen Botschaft. Gerade letztere d\u00fcrfen als durchaus gut informiert gelten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher ist etwas Hintergrundwissen in diesem Zusammenhang nicht zu verachten. Zun\u00e4chst zur Historie des Landes. Bis Anfang der 90er Jahre war der Jemen gespalten in den Nord- und den S\u00fcdjemen. Der S\u00fcden orientierte sich an der Sowjetunion, der Norden wurde massiv vom Westen unterst\u00fctzt. Zu diesem Zeitpunkt herrschte aber bereits im Norden keineswegs Demokratie. Es war zwar auf dem Papier eine pr\u00e4sidiale Demokratie. In Wirklichkeit aber ist es bis heute eher eine Art Erbmonarchie. Durch und durch korrupt. Mit massiver Unterst\u00fctzung des Westens wurde Anfang der 90er der S\u00fcden \u00fcberrollt und dem Norden angeschlossen. Seit dem gibt es ein &#8222;einheitliches&#8220; Jemen. Das allerdings ist nun wieder so einheitlich nicht. Die Macht der Regierung erstreckt sich mit Hilfe des Westens im wesentlichen auf die Provinz Sanaa. Der S\u00fcden wird mittels massiver Milit\u00e4rpresenz kontrolliert. Der Landesteil n\u00f6rdlich von Sanaa entzieht sich weitestgehend der Kontrolle der Regierung. N\u00f6rdlich von Saada ist sie praktisch ohne jede Kontrolle. Das Land dort geografisch mit Afghanistan vergleichbar und \u00e4hnlich schwer zu kontrollieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen bereut der Westen durchaus die langj\u00e4hrige massive Unterst\u00fctzung des Nordens. Dieser ist sehr konservativ und h\u00e4ngt einem sehr fundamentalistischen Islam nach. Die Zust\u00e4nde n\u00e4hern sich immer mehr denen in Saudi Arabien an. Zwar d\u00fcrfen Frauen hier noch alleine aus dem Haus, aber es ist selbst f\u00fcr Ausl\u00e4nderinnen mittlerweile problematisch unverschleiert auf die Strasse zu gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der S\u00fcden ist da sehr viel fortgeschrittener und offener. Sana&#8217;a erscheint einem im vielem wie eine Stadt aus dem Mittelalter. Zwar etwas besser technisiert (es gibt immerhin ca. den halben Tag Strom) und es gibt auch zahlreiche Vehikel in der Stadt, die man mit einiger Fantasie unter die Kategorie Auto z\u00e4hlen k\u00f6nnte, aber Gesellschaftlich und in der Lebensweise ist man hier nicht weit vom Mittelalter entfernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts desto trotz sind die meisten Einwohner hier Ausl\u00e4ndern gegen\u00fcber sehr freundlich und aufgeschlossen. Nach meinem Eindruck noch immer deutlich freundlicher, als sich viele deutsche gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun zur aktuellen Lage. Die Situation hat sich mit Fortdauer der Entf\u00fchrung selbst hier in Sana&#8217;a zugespitzt. Das Milit\u00e4r versucht die Kontrolle \u00fcber die N\u00f6rdlich von Sana&#8217;a liegenden Landesteile zu bekommen. Zu dem Zweck wurden die Verkehrsverbindung in diese Region unterbrochen. Das Problem dabei ist, das nahezu alle Erd\u00f6lquellen des Landes in dieser Region liegen. Inzwischen ist Benzin in Sana&#8217;a Mangelware. Wenn es an Tankstellen mal etwas gibt, werden nur sehr kleine Mengen verkauft. Priorit\u00e4t geniesst nat\u00fcrlich das Milit\u00e4r. Irgendwo muss der Sprit ja herkommen, den die mehrmals t\u00e4glich \u00fcber die Stadt donnernden Jagdflugzeuge in den Himmel pusten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Milit\u00e4rpr\u00e4senz, die in der Stadt ohnehin schon hoch ist, hat noch weiter zugenommen. Heute waren mehrere grosse Strassen in der Stadt komplett gesperrt. Der Grund daf\u00fcr war bisher nicht zu erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Regierung nimmt die Ermordung der Geiseln zum Vorwand, um gegen die Huthi, eine schiitische Minderheit im Norden des Landes, vorzugehen. Diese stellen nach \u00fcbereinstimmender Meinung der Leute, mit denen mich unterhalten habe, die st\u00e4rkste und aussichtsreichste Oppositionskraft im Norden und somit die gr\u00f6sste Gefahr f\u00fcr die momentane Regierung dar. Die Kr\u00e4fte im S\u00fcden sind in sofern keine Bedrohung, als sie sich bei g\u00fcnstiger Gelegenheit sofort wieder vom Norden trennen w\u00fcrden. Sie haben, ebenfalls nach \u00fcbereinstimmender Meinung, kein Interesse am Norden des Landes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lage die Geiseln betreffend ist insgesamt recht unklar. Es gab schon Recht oft Entf\u00fchrungen im Jemen, diese sind jedoch bisher immer gut verlaufen. In der Regel waren die Entf\u00fchrer regionale Machthaber oder Stammesf\u00fchrer, die Leistungen der Regierung wie Strassenbau, Wasserversorgung, auch schon mal Freilassung von Gefangen erreichen wollten. Die Geiseln wurden immer gut behandelt und kamen in der Regel innerhalb k\u00fcrzester Zeit wieder Frei. In diesem Fall gibt es da aber einige Merkw\u00fcrdigkeiten. Die Behauptung der Regierung, dass diese Entf\u00fchrung unter der Regie der Huthi steht, wird gr\u00f6sstenteils bezweifelt. Zumal diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Geiseln get\u00f6tet h\u00e4tten. Das liesse sich am ehesten noch den ebenfalls in dieser Gegend operierenden Al Quaida Gruppen zuordnen. Diese haben sich aber bisher weder dazu bekannt, was ja durchaus zu erwarten w\u00e4re, wenn sie diese aus Religi\u00f6sen Gr\u00fcnden get\u00f6tet h\u00e4tten, noch erscheint es logisch, das sie 3 Geiseln t\u00f6ten und dann mit dem Rest Versteck spielen. Die Sicherheitsleute der franz\u00f6sischen Botschaft, \u00e4usserten die Vermutung, das die Geiseln bei einem Befreiungsversuch get\u00f6tet wurden. Nach ihrer Auffassung wird sich das aber nie wirklich Aufkl\u00e4ren lassen, da die Regierung das niemals zugeben wird und ausserdem einen Vorwand f\u00fcr eine milit\u00e4rische Eskalation mit den Huthi sucht. Auch ich bin mir, nach allem was ich in Gespr\u00e4chen so erfahren habe, nicht wirklich sicher, ob jemals der Hintergrund dieser Entf\u00fchrung wirklich aufgekl\u00e4rt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in allem bin ich aber recht froh, das meine Zeit hier sich dem Ende zu neigt. Ich werde, wenn alles klar geht, am Freitag morgen wieder nach Deutschland zur\u00fcck fliegen. Danach geht es wieder in angenehmere Gefilde.<\/p>\n<p>Artikel zu diesem Thema im &#8222;Spiegel Online&#8220;:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,631646,00.html0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Die seltsamste Entf\u00fchrung, die es je im Jemen gab&#8220;<\/a> und<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,631573,00.html73,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Innenminister verspricht schonungslose Jagd auf Geiselnehmer&#8220;<\/a><\/p>\n<p>[ad]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar etwas besser technisiert (es gibt immerhin ca. den halben Tag Strom) und es gibt auch zahlreiche Vehikel in der Stadt, die man mit einiger Fantasie unter die Kategorie Auto z\u00e4hlen k\u00f6nnte, aber gesellschaftlich und in der Lebensweise ist man hier nicht weit vom Mittelalter entfernt. &#8230; Diese haben sich aber bisher weder dazu bekannt, was ja durchaus zu erwarten w\u00e4re, wenn sie diese aus Religi\u00f6sen Gr\u00fcnden get\u00f6tet h\u00e4tten, noch erscheint es logisch, das sie 3 Geiseln t\u00f6ten und dann mit dem Rest Versteck spielen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,14],"tags":[43,54,101,129,214,256],"class_list":["post-600","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-asien","category-mittlerer-osten","tag-al-quaida","tag-asien","tag-entfuehrung","tag-huthi","tag-sanaa","tag-yemen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/reisen.kihr.online\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}